Erste Untersuchung nach 2 Zyklen Chemo

von | 25.02.2019 | Gedankenbuch, Wenn plötzlich alles anders ist | 0 Kommentare

5:00 Uhr, das Handy weckt mich mit sanfter Melodie und erinnert mich schlagartig an den bevorstehenden Untersuchungstermin in der Thorax Klinik Heidelberg. Um 6:30 Uhr kommt das Taxi. Ok, also mal langsam in die aufrechte Startposition begeben und fertig machen. Ein kleines Frühstück ist laut Klinik erlaubt. Die Kaffeemaschine röchelt schon vor sich hin, um mir das erste Röstbohnenwasser zu bereiten. Zwei goldbraun geröstete Scheiben Toast mit einem Klecks Butter und einem Hauch von Glück recht gleichmäßig verteilt. Ja, so kann der Morgen beginnen. Noch eben vorher Zucker messen, Spritze setzen, die drölfundzwanzig Tabletten für morgens einwerfen und dann lecker Frühstück – herrlich!

Punkt 6:30 Uhr steh ich an der Straße und kaum 2 Minuten nach mir kam auch mein Taxi. Diesmal war es ein älterer, redseliger Fahrer. Sehr nett und sehr informativ und kurzweilig – also nichts mit kleinem Schläfchen auf der Fahrt nach Heidelberg.

7:20 Uhr schlage ich in der onkologischen Ambulanz auf – BUMM da bin ich! Ab zur Anmeldung, Überweisung abgeben etc. und ins Wartezimmer. Als erstes kam der Doc zum CT mit Kontrastmittel Aufklärungsgespräch und auch ganz allgemein, Veränderungen, Befinden, Eindrücke und er hat sich auch Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten.

ACHTUNG – jetzt schweife ich ab – aber das muss jetzt einfach mal sein:

Ich war nun schon ein Paar mal in der Onko-Ambulanz und bewundere die Pflegerinnen, Pfleger und Ärzte zutiefst. Stress ohne Ende und dennoch genug Zeit für jeden zu haben, damit man sich wohl fühlt und gut aufgehoben vorkommt. Manch Patient ist mehr als unhöflich und gereizt. Hauptsächlich den Schwestern gegenüber. Ich muss ganz ehrlich sagen, klar ist es scheiße, wenn man Krebs hat und klar kommt da nicht jeder gleich gut klar damit. Aber deswegen wird ich doch nicht unfreundlich zu den Menschen, die sich bemühen mir zu helfen. Bei allem Verständnis, aber dieses Rumgepapme mancher Patienten geht mir gehörig auf den Sack – um das so zu sagen wie ich es auch empfinde! Ich bewundere Euch, die ihr diesen Job machen könnt und jeden Tag erneut (oft) unbezahlte Überstunden schiebt in einem undankbaren und immer unterbezahlten Job arbeitet und Zusatzschichten auf Euch nehmt und dennoch immer ein nettes Wort für mich übrighabt. Euch allen mein zu tiefst empfundener Dank!

ENDE der Abschweifung!

Und los ging es zur ersten Station, dem Röntgen. Nach kurzer Wartezeit war das Röntgen erledigt. Jetzt hieß es auf die CT zu warten. Jede Menge Menschen auf dem Gang, das dauerte also gut ein Stündchen aber das ist erträglich. Hatte meine Blauzahn Ohrwärmer dabei und hörte einen meiner Lieblings Podcasts: Frau Bauerfeind hat Fragen: Staffel 2.
So geil. Besonders die Folgen mit Torsten Sträter und Bjarne Mädel. Ich wurde des Öfteren blöd angeschaut, weil ich ab und an ein blökendes lachen einfach nicht verkneifen konnte. Überhaupt ist der ganze onkologisch Bereich eher mäßig amüsant. Überall sauertöpfische Mienen und traurige Augen. Ich lach trotzdem, auch wenn es viele unpassend finden.
Nach ca. 1 Std. ging es dann zum CT. Kontrastmittel in die Adern gepumpt und ab durch die Röhre. Das ging dann wieder recht flott. Dreimal „Bitte tief einatmen und Luft anhalten“ und dem folgenden „Bitte normal weiteratmen“ – gute Idee, wäre ich allein nicht draufgekommen – Schlagzeile: „Patient erstickt im CT“. Und weiter zum Lungentestgedönse. Ohrläppchen voll mit Finalgon damit ordentlich Blutgaswerte bestimmt werden können. Vorher gibt’s ein schnelles EKG – durchgewunken. Wieder gut 1 Std. später dann endlich durch eine Maschine atmen. Mal schneller Mal langsamer und bevor die Maschine mal eben kurz zu macht, eine runde schnelles Hecheln (erinnerte mich an die Geburt meines Sohnes, da wurde auch ordentlich rumgehechelt) und danach so tief einatmen wie möglich und so schnell ausatmen wie möglich. Ich wollte natürlich zeigen, wie großartig ich das kann und holte Luft als ob es kein Morgen mehr gäbe und bekam prompt einen ordentlichen Hustenfall. Von draußen (man sitzt da in so einem Acrylkasten – so wie Hannibal Lecter, nur kleiner und ohne Löcher, sondern mit Gegensprechanlage) ertönte „Um Gottes Willen, nicht ins Gerät husten! Lassen sie das Mundstück einfach los“. Zu spät – ich denke ich habe alle Skalen gesprengt und habe die mächtigste Lungenkrebslunge der Welt. Nachdem jetzt das Ohr eine gute Stunde im Finalgon gezogen hat, wurde Blut entnommen und ich durfte endlich gehen.
Mittlerweile war es 11:17 Uhr und ich hatte mein Taxi für die Heimfahrt auf 12:00 Uhr bestellt. Also noch genug Zeit die Cafeteria heim zu suchen, Cappuccino und Frikadellen Brötchen zu inhalieren und endlich zurück nach Hause zu kommen.

Am Mittwoch bekomme ich die Ergebnisse und werde auch darüber wieder berichten. Dann bis spätestens Mittwoch!

Mein Krebs-Gedankenbuch

#fuckcancer

Die Meisten haben es ja schon mitbekommen. Ich habe Krebs. Lungenkrebs, kleinzellig und aggressiv.

Ich habe mich nun endgültig dazu entschlossen, offen mit dem Thema um zu gehen. Ich möchte, dass diejenigen, die es wissen möchten, nicht über Dritte oder Buschfunk mit „Informationen“ versorgt werden.

Hier auf meiner Homepage werde ich von nun an mehr oder weniger Regelmäßig berichten, was ich erlebe und wie ich es erlebe. Somit kann dann jeder selbst entscheiden, ob er teilhaben möchte oder nicht. Die reinen Fakten, meine Gedanken und Gefühle, Reaktionen von Freunden, Bekannten und Verwandten und Geschichten, die mir in dieser Zeit über den Weg laufen. Ich werde auch nicht rein chronologisch vorgehen. Es wird Rückblenden und Erinnerungen geben, die sich irgendwann im Laufe der Zeit und zum Thema ereigneten.

(Das Bild ist von CP Malek und ich liebe es und es passt zu mir)


Wer möchte, kann mir auch gerne schreiben.
Digital an: jko@jko-artworx.de 

Oder (ich liebe es) gerne auch noch mit der wunderbar altmodischen Post:

Jan Klug-Offermann
Louis-Goos-Str. 6
74889 Sinsheim

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